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Auftragsbuch — die Vorschlags-Inbox der Box

Das Auftragsbuch ist das Mensch-Gate des propose-only-Kreislaufs als Klick statt Git-Handarbeit: alles, was die Box von allein baut oder sich ausdenkt, landet hier als Karte — du entscheidest mit Annehmen oder Ablehnen.

Die Ideen-Queue davor (natives Hermes-Kanban, seit 10.07.2026)

Vor dem Auftragsbuch liegt DIE eine Ideen-Queue: das native Hermes-Kanban (hermes kanban, SQLite-Board, Dispatcher läuft im Gateway). Der Weg einer Idee:

  1. Idee rein — Tür egal: Eingabefeld im Auftragsbuch-Tab (POST /api/ideen), Telegram/Desktop (natives Tool kanban_create, Regel in SOUL.md) oder Lucys Sprech-Leitung (idee_notieren in mcp/mcp_voice.py). Alles landet als triage-Aufgabe auf demselben Board.
  2. Die Box arbeitet sie aus: der Kanban-Specifier macht aus der rohen Idee einen sauberen Auftrag und wählt das Worker-Profil (Routing über die Profil-Beschreibungen: Code → werkstatt [Qwen3-Coder-Next, Leitplanken in deploy/werkstatt-SOUL.md], Doku/Analyse → default).
  3. Der Worker baut im isolierten Workspace; Code-Ergebnisse pusht er als Vorschlags-Branch auf Gitea — der hier als Karte erscheint. Das Gate bleibt dein Klick.

Die Queue füttert sich auch selbst — Idle-Radar (S4 „Zündung", 12.07.2026): ein nächtlicher Hermes-Cron (03:45, deploy/idle-radar-feed.sh) destilliert aus den Journal-Fehlermustern der letzten 24 h und der jüngsten Traum-Notiz bis zu 2 belegte Wartungs-Kandidaten und legt sie als rohe Ideen (triage, created_by=idle-radar) auf dasselbe Board. Leitplanken: jedes Beleg-Zitat wird mechanisch gegen das Material geprüft (erfundene Belege fliegen raus — reproduziert-oder-abgelehnt), Stau-Bremse (ab 4 offenen Queue-Aufgaben oder 3 offenen Karten legt er nichts nach), dreifacher Dedup (State-Datei ~/.hermes/state/idle-radar-gemeldet.txt, Board-Abgleich inklusive archivierter = verworfener Ideen, --idempotency-key), Security/Config/Updates tabu. Der Radar legt nur Ideen an — gebaut wird über denselben Kreislauf, dein Klick bleibt das Gate.

Die Queue-Sicht im Tab (Status, offene Ideen) kommt aus hermes kanban list --json (backend/services/ideen.py); die Morgenlage bekommt kanban stats als Beweismaterial. Entscheid nativ-vs-Eigenbau (Hermes-first): Probe 10.07.2026 — Dispatcher, Specifier, Profil-Modellwahl und Artefakt-Tracking sind nativ E2E bewiesen; ein Eigenbau hätte all das nur nachgebaut.

Woher die Karten kommen

  • Fertige Patches — Branches auf Gitea (wartung/*, orchestrator/*, doku/*, feature/*), wie die Werkstatt und der Orchestrator sie hinterlassen. Die Karte zeigt Commit-Botschaft, geänderte Dateien und den vollen Diff. Seit S3 (lucy-pipeline) aus zwei Repos: mission-control-v2 (Box-Stack) und lucy (Desktop-App, rosa „Lucy"-Badge auf der Karte).
  • Skill-Kandidaten — Ideen des nächtlichen Traum-Crons aus dem Wissens-Vault (~/wissens-vault/skill-kandidaten/). „Beauftragen" schickt sie als Auftrag an die Werkstatt (Orchestrator-Skill); das Ergebnis kommt als neuer Patch zurück.

Was „Annehmen" bei einem Patch macht (deploy/auftrag-annehmen.sh)

  1. Merge des Branches in einem isolierten Worktree (Live-Checkout bleibt unberührt). Kollidiert der Merge, weil main weitergelaufen ist, versucht der Runner automatisch einen Rebase des Branches auf main (Selbstheilung für veraltete Vorschläge) — erst wenn auch der kollidiert, fällt die Karte mit ehrlicher Meldung durch.
  2. py_compile-Gate über die geänderten Python-Dateien.
  3. Push nach main auf Gitea (mit Retry).
  4. Deploy (als /tmp-Kopie von deploy.sh — Selbst-Reset-Falle) — die Zentrale startet dabei kurz neu.
  5. Health-Check mit Geduld. Rot ⇒ automatischer Revert des Merges + Redeploy + Alarm. Grün ⇒ Branch wird aufgeräumt, Meldung an Telegram + Chronik.

Der Lauf ist eine eigene systemd-Unit (detached) — er überlebt den Neustart des Backends, das ihn gestartet hat. Fortschritt steht live auf der Karte (/srv/models/mc2-auftragsbuch.json).

Kaputt aufgesetzte Branches (Worker machte git init/Shallow statt zu klonen → kein gemeinsamer Ursprung mit main, „refusing to merge unrelated histories") erkennt das Auftragsbuch an der Quelle: rote Markierung „kein gemeinsamer Ursprung", der Annehmen-Knopf fehlt (Annehmen wäre ein garantierter Fehllauf), API und Runner halten zusätzlich dicht. Ebenso markiert: „Diff leer — bringt nichts" (Branch würde gegenüber main nichts ändern). In beiden Fällen: ablehnen mit Grund und die Idee frisch in die Queue geben; die Prävention (voll klonen, merge-base-Selbstcheck, fetch+rebase vor dem Push) steht in der werkstatt-SOUL.

Was „Annehmen" bei einer LUCY-Karte macht (deploy/lucy-annahme.sh)

Lucy (Electron) lebt auf dem Windows-PC; ihr dist liegt nicht im Repo — die Box kann sie nicht bauen. Der Lucy-Runner spannt darum den PC ein (PC-Executor :7777, Token aus ~/.hermes/config.yaml):

  1. Vorprüfung am PC, VOR dem Merge: Executor erreichbar? Arbeitskopie F:\Coding Stuff\lucy auf main und sauber? Läuft Lucy gerade? Scheitert etwas, bricht der Lauf ab, ohne irgendetwas zu verändern — der PC muss an sein.
  2. Merge des Branches im isolierten Worktree von ~/lucy → Push nach main.
  3. Der PC zieht main (ff-only) und startet detached deploy/lucy-annahme.ps1 (liegt im Lucy-Repo): ggf. npm ci (nur wenn sich das Lockfile geändert hat) → tsc --noEmit-Gate → dist-Backup → npm run dist → Lucy-Neustart nur, wenn sie vorher lief (User-Entscheid: Lucy startet nur, wenn der Commander sie will) → Stimme-Health (:8130).
  4. Die Box pollt die PC-Status-Datei (.lucy-annahme.json) und spiegelt den Fortschritt live auf die Karte. Rot ⇒ Merge wird automatisch revertiert, der PC stellt dist aus dem Backup wieder her — die laufende Lucy bleibt die alte. Grün ⇒ Branch aufgeräumt, Meldung an Telegram + Chronik.

Bagatellen ohne Klick (mc2-bagatell.timer, 04:10)

Einzige Ausnahme vom Klick-Gate (User-Entscheid 10.07.2026, bewusst eng geschnitten): deploy/bagatell-annahme.sh spielt nachts Vorschlags-Branches ein, deren Diff ausschließlich .md-Dateien anlegt oder ändert — keine Code-Zeile, keine Löschungen, keine Renames, keine Skripte. Der Weg ist derselbe Annahme-Runner wie beim Klick (Merge → Gate → Deploy → Health → Auto-Revert), maximal 2 pro Nacht und nur Branches ohne vorherige Fehl-Läufe. Fangnetz: Nacht-Sicherung 03:30 liegt davor, jede Annahme steht in Chronik + Telegram, die Morgenlage 04:30 berichtet. Die Klasse erweitert nur der Commander, nie das Skript.

„Lucy kennt sich" (12.07.2026): Selbstbild, Empfehlungs-Stempel, Lern-Gedächtnis

  • Selbst-Inventur (Cron 03:35, deploy/selbst-inventur.sh): erhebt den Selbst-Steckbrief der Box live aus der Realität (Versionen, Dienste, Modelle, Crons, Queue, Karten → ~/.hermes/state/selbst-steckbrief.md) und bemerkt selbst, wenn sich etwas ändert (Diff gegen gestern → stille Chronik-Karte + kurze Telegram-Zeile; keine Änderung = still). Der Steckbrief ist das „was es schon gibt"-Gedächtnis: Idle-Radar-Analyst und Werkstatt (Realitäts-Check-Regel) lesen ihn, bevor sie vorschlagen oder bauen.
  • Karten-Gutachter (Cron 04:00, deploy/karten-gutachter.sh): stempelt jede neue Karte mit „Empfehlung: Annehmen/Ablehnen/Unklar" + einem ehrlichen Satz — geprüft werden Redundanz (existiert das laut Steckbrief schon?), Risiko und Nutzen. Der Stempel ist eine Meinung, kein Gate; ein nachgeschobener Commit macht ihn ungültig (wird neu gestempelt). Ablage /srv/models/mc2-karten-gutachten.json.
  • Ablehnen mit Grund: Beim Ablehnen einer Karte kannst du der Box in einem Satz sagen, warum („gibt es schon", „will ich nicht"). Der Grund landet in /srv/models/mc2-ablehnungen.jsonl und wird Radar/Analysten als „NIE wieder vorschlagen"-Material vorgelegt — dein Klick wird damit zum Lehrer, nicht nur zum Tor.
  • Radar-Treffer → Queue: Meldet der wöchentliche Release-Radar einen echten Treffer, legt er zusätzlich EINE rohe Idee in die Ideen-Queue („Probe bauen?", idempotent je Release-Tag) — der Blick nach draußen füttert damit denselben Kreislauf.

Curator Auto-Archivierung (Cron 0 3 * * * — täglich um 03:00)

Zweck: Automatische Archivierung inaktiver Skills nach 14 Tagen ohne Nutzung.

Skripte:

  • ~/.hermes/scripts/curator-archive-watchdog.sh — Cron-Einstieg, ruft das Python-Skript auf.
  • ~/.hermes/scripts/curator_archive_logic.py — Hauptlogik. Liest .curator_state und .usage.json aus ~/.hermes/skills/, prüft auf Inaktivität (>14 Tage seit letztem Gebrauch), überspringt gepinnte und exkludierte Skills, verschiebt Skills nach .archive/<Kategorie>/.
  • ~/.hermes/scripts/curator-idle-watchdog.sh — Zusätzlicher Watchdog (Sonntag 00:00, Cron 0 0 * * 0): prüft, ob der Curator selbst ≥14 Tage idle ist und triggert ggf. eine Reaktivierung.

Konfiguration (~/.hermes/skills/.curator_state):

  • archivierung.enabled: false — Archivierung muss explizit aktiviert werden.
  • archivierung.threshold_days: 14 — Tage ohne Nutzung bis zur Archivierung.
  • archivierung.excluded_skills: [...] — Liste der nie zu archivierenden Skills.
  • archivierung.last_archive_run_at — Zeitstempel des letzten Durchlaufs.

Ablauf im Durchlauf:

  1. Prüft, ob Archivierung aktiviert ist.
  2. Läuft alle Skills durch .usage.json.
  3. Überspringt: gepinnte Skills, exkludierte Skills, aktive Skills (<14 Tage).
  4. Archiviert: State auf "archived" setzen, Verzeichnis nach .archive/<Kategorie>/ verschieben, Usage-Datei aktualisieren.
  5. Protokolliert in ~/.hermes/logs/curator/archive-<Datum>.log.

Sicherheit:

  • Archivierung standardmäßig deaktiviert — passiert nie ohne explizite Freigabe.
  • Gepinnte und exkludierte Skills werden nie berührt.
  • Archivierung ist reversibel: Skills können manuell aus .archive/ zurückverschoben werden.

Leitplanken

  • Propose-only bleibt: keine Code-Zeile geht ohne Klick live. Das Gate ist dieses Buch; einzige Ausnahme sind die eng geschnittenen Doku-Bagatellen (oben).
  • „Frontend ohne Build"-Warnung (nur mc2): enthält ein Branch frontend/src ohne frisches frontend/dist, bleibt die Oberfläche nach dem Annehmen alt, bis am PC gebaut wird. Lucy-Karten brauchen die Warnung nicht — dort baut IMMER der PC.
  • Ablehnen löscht nur den Remote-Branch; die Historie auf Gitea bleibt.

Diese Datei kam übrigens selbst über das Auftragsbuch ins Repo — als erste echte End-to-End-Annahme (Probe-Branch wartung/annahme-probe, 08.07.2026).